Autor: Jonas Lehmann

Nebelhorn-Berglauf Oberstdorf

Wie asphaltiert man einen Weg, der teilweise über 30% Steigung aufweist? Indem man viel Split in den Teer mischt, könnte eine technisch zielführende Antwort lauten. – Als Teilnehmer des Nebelhorn-Berglaufs am 01. Juli drängt sich einem zwar genau diese Frage auf, die genaue Antwort wird aber an diesem Tag niemanden wirklich interessiert haben, der sich dem laut Veranstalter „härtesten Berglauf Deutschlands“ gestellt hat. Ob dieses Attrikbut wirklich zutrifft, sei hier mal dahingestellt, fest steht jedoch: Er ist enorm steil. Gut 1400 Höhenmeter auf etwas über 10 km, der erste davon flach, allein über 600 Höhenmeter auf den 3 km vom Latschenhang zum Edmund-Probst-Haus. Die Strecke ist dabei nie technisch anspruchsvoll, Trittsicherheit ist selten gefragt. Auf Grund der größtenteils geteerten Strecke – lediglich die letzten beiden Kilometer verlaufen auf einem nicht asphaltierten, allerdings auch ziemlich befestigten Bergwerg – verlangt das Nebelhorn von den Läufern vor allem eins: Kraftausdauer. Es fehlen die Wurzelpfade des Hochfelln-Berglaufs, der lose Schotter im Dammkar des Karwendel-Berglaufs und die ausgesetzten Kraxelpassagen am Schilthorn. Stattdessen sind – wie eigentlich immer beim Berglauf – eine gute Renneinteilung, eine gewisse Quälbereitschaft und eben auch ein gewisses Gespür gefragt, wann es sich noch zu laufen lohnt und wann man besser in den strammen Gehschritt wechselt.
Doch nun der Reihe nach. Am Sonntag ging es pünktlich um 9.15 Uhr am Oberstdorfer Marktplatz los. Das Wetter war gut, wenn auch nicht so super läuferfreundlich. Die Sonne schien bereits kräftig vom Himmel, wurde aber immerhin zeitweise von ein paar Schleierwolken verdeckt. Jedoch allemal besser als Regen, Nebel oder Schnee am Gipfel. Vom Marktplatz ging es dann durch die Straßen von Oberstdorf zur Skisprungschanze, wo jedes Jahr das Auftaktspringen der Vierschanzentournee stattfindet. Bis hier hin lag Max Zeus in Führung, ich befand mich in einer kleinen Verfolgergruppe ein paar Meter dahinter. Nun folgt der erste Härtetest, wenn auch noch ein verhältnismäßig moderater. Es geht hinauf zur Seealpe, die Steigung liegt bei durchgehend zwischen 10 und 15%. Wir schließen uns relativ rasch zu einer Vierergruppe zusammen mit Max, Marcel Krieghoff und Philipp Zewe zusammen. Gemeinsam mit Marcel kann ich mich dann von den beiden anderen ein kleines Stück absetzen. Kurz vor der Seilbahnstation kann ich mich dann ein paar Meter absetzen, das auf dem folgenden Flachstück von Max wieder zugelaufen wird. Wir gehen also gemeinsam ins berüchtigte Steilstück am Latschenhang. Die erwähnten 3 km mit über 600 Höhenmetern, die Sonne steht inzwischen schon ziemlich hoch am Himmel und bereits auf den ersten steileren Metern kann ich wieder eine kleine Lücke reißen. Jetzt es „Augen zu und durch“. Der Weg zieht sich zunächst wie eine Parabel immer steiler werdend in den Hang, ehe er sich in Serpentinen zum Edmund-Probst-Haus und zur Seilnahnstation „Höfatsblick“ windet. Flacher wird er durch die Serpentinen mitnichten. Es wecheln quasi unlaufbare „Wanderabschnitte“ mit wieder laufbaren Passagen. Zahlreiche Übergänge verlangen ständige Aufmerksamkeit, dass man den richtigen Zeitpunkt zum „Technikwechsel“ nicht verpasst. Zumindest erleichtert das erwähnte geteerte Geläuf die Konzentration, um die „Traktion“ muss man sich keine Gedanken machen. So geht es weiter zum Höfatsblick, der Vorsprung vor Max und dem zu ihm aufgeschlossenen Philipp Zewe beträgt etwa 50 m. Nach der Seilbahnstation wird es erstmal etwas flacher, der Bodenbelag wechselt zu festem Schotter bzw. Split. Wieder wechselt das Gelände permanent in seiner Steilheit, das Ziel am Gipfel des Nebelhorn mit der weithin sichtbaren Bergstation ist jetzt gut zu erkennen. Noch einmal geht es etwas flacher um eine Skiliftstation herum. Ein Blick zurück bringt mir die Gewissheit, dass der Vorsprung eher größer als kleiner wird und so kann ich mir die Kraft für den letzten Kilometer noch einmal etwas einteilen, ehe ich die letzten steilen Serpentinen zum Ziel in Angriff nehme, das ich nach 1:02 h als Sieger vor Max und Philipp erreiche.
Der Ausblick vom Gipfel ist zwar durch die inzwischen aufgezogene Bewölkung etwas eingeschränkt, entschädigt aber dennoch für die Mühen des Anstiegs.

34. Mitternachtslauf Kröv am 19.05.2018

Am Pfingstsamstag ging es wieder zum traditionellen Mitternachtslauf in Kröv an der Mosel. Nach dem Regenlauf im vergangenen Jahr waren die Laufbedingungen beim Start um 23 Uhr in diesem Jahr nahezu perfekt. Klare Luft, angenehme Temperaturen und kein Wind. Bei diesen Eckdaten in Kombination mit der wie immer tollen Athmosphäre und Stimmung in Kröv hätten die Veranstalter eigentlich mehr als die lediglich 120 Starter des Hauptlaufs und gut 200 „Junggebliebenen“ verdient gehabt, doch aus unerfindlichen Gründen zog es dann doch weniger Nachmelder als erhofft an die Mosel. Vielleicht konnte sich der ein oder andere dann doch nicht vom Fernseher und dem gleichzeitig stattfindenden DFB-Pokalfinale loseisen.
So ging es dann aber pünktlich um 23 Uhr am Europabrunnen los. Die Strecke führt über 9,4 km und 3,5 Runden, das Ziel befindet sich direkt an der Mosel unterhalb der Weinbrunnenhalle.
Nach der halben Einführungsrunde konnte ich mich schon recht bald am folgenden Anstieg etwas von den Verfolgern absetzen und mein Rennen daraufhin für mich gestalten. Letztlich stand dann der Sieg in 29:26 min vor Martin Siebenborn und Michele Ihe zu Buche.
Nach dem Zieleinlauf gab es dann pünktlich um Mitternacht das bekannt tolle Kröver Feuerwerk und auch die nachfolgende Siegerehrung wurde dann natürlich auch wieder durch die klassische Weinaufwiegung abgerundet.

Marathon Deutsche Weinstraße am 15.04.2018

Heute war es dann endlich so weit. Mein erster Marathon stand an. Zum Debüt die 42,195 km beim Marathon Deutsche Weinstraße zu absolvieren, mag so Manchen vielleicht verwundern. Schließlich ist die Strecke mit ihren knapp 500 Hm über die Grenzen der Pfalz hinauszwar wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und guten Stimmung bekannt, aber sicherlich nicht für Bestzeitentauglichkeit. Jetzt ist das natürlich beim ersten Marathon mit der persönlichen Bestzeit so eine Sache. Erstens stellt man, das Erreichen des Ziels vorausgesetzt, ohnehin eine solche auf, zweitens wird die fehlende Erfahrung auf einer solchen Strecke die darauf folgenden Marathons vermutlich auch eher schneller werden lassen. Für mich standen daher eher andere Aspekte im Vordergrund. Das wellige, aber dennoch gut laufbare Profil, die schon erwähnten tollen Landschaftsausblicke und die Stimmung am Streckenrand waren u.a. die Gründe, die mich zu der Entscheidung bewogen, hier zu debütieren.
Zudem findet der Marathon Deutsche Weinstraße ja auch nur alle zwei Jahre statt, so dass sich die nächste Startgelegenheit erst 2020 ergeben hätte. So versammelten sich also am heutigen Sonntag etwa 3500 gut gelaunte Läufer am nördlichen Beginn der Deutschen Weinstraße in Bockenheim, um von dort aus entweder den kompletten Marathon alleine oder im Team oder den Halbmarathon in Angriff zu nehmen.
Das Wetter schien dabei zunächst ein Einsehen zu haben und es hingen noch ein paar Wolken vor der Sonne, was auf etwas angenehmere Lauftemperaturen hoffen ließ. Rechtzeitig zum Start setzte sich jedoch die Sonne durch und schien von nun an unablässig von einem strahlend blauen Himmel.
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Doppelstart am Wochenende – Rockie-Mountain-Lauf und TSG Halbmarathon

Gestern und heute stand noch einmal ein Doppelstart an zur Marathonvorbereitung an. Am Samstag ging es beim Rockie-Mountain-Lauf von Rockenhausen auf den Donnersberg, zugleich 3. Wertungslauf zum Pfälzer Berglauf-Pokal. Bei angenehmen Lauftemperaturen und einer zuweilen etwas „crossigen“ Strecke konnte ich mir in 52:45 min den Sieg vor Andreas Heimel und Thibaud Clipet sichern. In den vergangenen Jahren war ich zwar jeweils ein gutes Stück schneller, der Fokus lag aber auch nicht unbedingt auf einer möglichst schnellen Zeit, zumal ich ja auch noch den Halbmarathon in Kaiserslautern im Hinterkopf hatte. Auch im Altersklassenbereich konnte der TuS mit einigen Podestplätzen aufwarten. So sicherten sich Jürgen Binder und Georg Frank den Doppelsieg in der M55. Jutta Bendel und Christine Sauerland konnten ebenfalls die Plätze eins bzw. zwei in ihrer jeweiligen Altersklasse belegen. Unser „Dauerbrenner“ Lutz Hirselandt war ebenfalls mit von der Partie und konnte sich wertvolle Kilometer im Kampf um den begehrten „Laufkönig-Titel“ sichern. Am Tag darauf begnügte er sich dann mit der Rolle des Zuschauers und Motivators und kann ein gewisses Abschmelzen seines seines „Kilometer-Polsters“ um 21,1 km beim TSG Halbmarathon in Kaiserslautern aber sicher verkraften.
Bei diesem ging es dann heute zu früher Stunde um 9:30 Uhr (was ja auf Grund der Zeitumstellung eigentlich erst 8:30 Uhr entsprach) unterhalb des Betzenbergs auf die 21,1 km lange Strecke, die über den Bremerhof, die Rote Hohl, die Landstraße in Richtung Mölschbach und schließlich durch das Hungerbrunnental wieder zurück nach Kaiserslautern udn zum Ziel unweit des Starts führt. Das Laufwetter war dabei heute quasi perfekt ohne störenden Wind und strahlendem Sonnenschein. Lediglich die Temperaturen beim Start knapp über dem Gefrierpunkt bedurften einer gewissen Warmlaufphase. Meinem Plan, die Strecke im Schnitt von 3:30 min/km zu absolvieren kam ich recht nahe, auch wenn auf Grund des hügeligen Profils die meisten Kilometer entweder langsamer oder schneller waren. Letztlich bedeutete dies dann den Tagessieg in 1:13:31 h vor Nico Fuchs und Max Kirschbaum. Der Sieg bei den Frauen ging an unsere TuS-Läuferin Jessica Kammerer in 1:26:15 h. Weitere Podestplätze in den Altersklassen sicherten sich Ramon Bernardon als Sieger der M35, Nina Spiegel als Zweite der weiblichen Hauptklasse und Dieter Kriegshäuser, der nun seit gestern auch offiziell so alt ist wie ihn seine Altersklasse beschreibt und einen guten 3. Platz in der M65 belegen konnte.

Fotos: Gerhard Jendryschick

Bienwald-Halbmarathon Kandel am 11.03.2018

„Wir gehen in 31:00 min an, okay?“ – Etwas überrumpelt von Sebastian Reinwands Ansage kurz vor dem Start des Bienwald-Halbmarathons, die er mit Blick auf mich und einige der umstehenden und als schnell einzuschätzenden Laufkollegen tätigte, habe ich erstmal instinktiv genickt. 31 glatt? Das war meiner 10er-Bestzeit deutlich näher als dem Durchgangstempo meiner bisherigen Halbmarathon-Bestzeit von 1:07:54 h, aufgestellt vor einem knappen Jahr in Paderborn. Diese heute zu unterbieten, erschien mir vor dem Start kein Ding der Unmöglichkeit. Als Angangszeit erschien mir hier eine mittlere bis hohe 31 bei 10 km zwar eher geeignet, aber den Mutigen gehört ja bekanntlich die Welt und manchmal läuft so ein Rennen ja ohnehin ganz anders als geplant.
So ging es also pünktlich um 10 Uhr auf die brettflache Strecke durch Kandel, Minfeld und den Bienwald, die für schnelle Zeiten ja prädestiniert und bekannt ist. Und Sebastian Reinwand fackelte auch nicht lange und legte gleich von Beginn an ein hohes Tempo vor, das zunächst nur Mitku Seboka, Martin Diebold und ich mitgehen konnten. Die ersten 3 km absolvierten wir wie vorausgesagt im 3:06er-Schnitt, ehe sich die Gruppe schon langsam in der Auflösung befand. Martin musste ein paar Meter abreißen lassen und auch für mich war das Tempo zu hoch. So klaffte nach 5 km zunächst eine Lücke zwischen Sebastian und Mitku sowie zwischen Mitku und mir. Kilometer 10 passierte ich auf der heute ziemlich windstillen Strecke nach 31:23 min. Kurz darauf konnte ich auch das Loch zwischen Mitku und mir, das zwischenzeitlich mal auf etwa 30 Meter angewachsen war, wieder schließen und auch an ihm vorbeiziehen. Sebastian zog dabei sein Tempo voll durch, war aber dank der langen Geraden zumeist noch im Blickfeld. Ich pendelte mich derweil bei km-Schnitten zwischen 3:07 und 3:13 min/km ein. Die Beine wurden zunehmend schwerer, doch konnte ich die Geschwindigkeit noch in einem Bereich halten, der mich auf eine neue Bestzeit hoffen ließ, möglicherweise sogar auf eine Zeit unter 1:07 h. Ein etwas langsamerer 18. Kilometer ließen dann nochmal kurz Zweifel aufkommen, der aber direkt vom finalen Kampfgeist abgelöst wurde. Beim Blick auf die Uhr bei km 20 ließ mich ob der angezeigten 1:03:30 h wieder Hoffnung schöpfen und ich legte nochmal alles in die letzten 1,1 km. Die finalen 300 m werden dabei traditionell auf der – heute etwas glitschigen – Tartanbahn des Bienwald-Stadions absolviert. Ein Blick zur großen Uhr im Zielbereich nach dem Einbiegen auf die Zielgerade verschaffte mir dann eigentlich die Gewissheit, dass es sicher reichen würde. Eigentlich. Denn nach dem Überqueren der im Zielbereich ausgelegten Zeitnahmematte und der Begrüßung durch Moderator Wolfgang Behr ließ ich bereits etwas austrudeln, als ich plötzlich von einem Helfer zum Überqueren der etwa 15 – 20 Meter dahinter ausgelegten zweiten Zeitnahmematte aufgefordert wurde, die wohl für die tatsächliche Zeitmessung zuständig war. Dies tat ich dann nach einem neuerlichen kurzen Antritt auch und konnte aus dem Augenwinkel noch eine 1:06:57 h erkennen. So hieß es erstmal noch noch abzuwarten, was die offizielle Ergebnisliste verlauten würde.
Auf dieser hieß es dann: Brutto 1:07:01 h – Netto: 1:06:59 h. Auf Grund der Tatsache, dass der DLV seit einigen Jahren die Nettozeit bei Bestenlisten zulässt und da es bei direkter Kenntlichmachung der Zielmatte auf jeden Fall auch Brutto für eine Zeit unter 1:07 h gereicht hätte, werde ich ab sofort aber auch diese ganz hohe 1:06 h als Bestzeit führen. Klingt für manchen Nichtläufer vielleicht nach Haarspalterei, manch Gleichgesinnter wird es aber sicherlich verstehen.